Szenenspiel zur Revolution

Am 1. Juli präsentierte der Historienstadel Gernsbach ein Szenenspiel zur Revolution im Keller des ehemaligen Gasthauses Bock (heute “Goldener Bock”) am Stadtbuckel. Nachgespielt wurde der Abend vom 12. auf den 13. Mai 1849. Alles wartet gespannt auf die Rückkehr der Gernsbacher Delegierten aus Offenburg. Dort waren Tausende aus Baden zusammengeströmt. Es hatte sich ein Landesausschuss der Volksvereine gebildet. Auch Abgesandte der meuternden Soldaten der Festung Rastatt waren mit dabei. Der Landesausschuss fühlte sich als Vertretung des badischen Volkes und wurde in einer Abstimmung der anwesenden Volksmassen bestätigt. In diesem Augenblick ging es ums Ganze! Der König von Preußen, der Kaiser von Österreich und andere reaktionäre Fürsten drohten, die März-Errungenschaften von 1848 und das Verfassungswerk der Nationalversammlung in Frankfurt zu vernichten und das Rad der Geschichte zur absoluten Monarchie zurückzudrehen. Überall, auch in Gernsbach, entbrannte eine leidenschaftliche Diskussion darüber, was nun zu tun sei: sich in das Schicksal fügen oder für Freiheit und Demokratie kämpfen? Es diskutierten sich die Köpfe heiß: Casimir Griesbach, Schiffer, wohlhabend, Republikaner (Stadtarchivar Wolfgang Fröse, Gernsbach), Wilhelm Grötz, Schiffer, wohlhabend, eher konservativ-monarchistisch gesinnt (Günther Schermer, Gernsbach), Franziska Seyfarth, Frau des Bockwirts Wilhelm Seyfarth, teilt die Ansichten ihres Mannes Wilhelm, bevorzugt die Republik, akzeptabel ist aber auch eine durch Verfassung eingeschränkte, also konstitutionelle Monarchie (Ingrid Kurz, Ottenau), Louise Schickardt, Frau des Schiffers August Friedrich Schickardt, teilt die Ansicht ihres Mannes, wenn möglich Republik, aber alles möglichst wenig radikal (Gabi Zapf, Ottenau), Alois Haas, Handwerker (Feilenhauer), Republikaner (gespielt von einem Besucher, u. a. von Bürgermeister Julian Christ, Gernsbach), Christian Bucherer, Holzhändler und schifferschaftlicher Buchhalter, Republikaner (Roland Bittmann, Michelbach), Karolina Bettendorf, Tagelöhnerin, Küchenhilfe im Bock, möchte im Alter versorgt sein und nicht um Almosen betteln müssen (Cornelia Renger-Zorn), weitere Küchenhilfen (Amanda Anselm, Elvira Lumpp, Rita Rieflin, Margarete Maier, alle Ottenau), denken wir Karolina Bettendorf.

Die Diskussion:stadtgeschichte-gernsbach.de/…/Im-Gasthof-Bock-Gernsbach.pdf

Christian Bucherer, gerade aus Offenburg zurück, verliest das dort verfasste Flugblatt mit den Forderungen nach demokratischer Verfassung, Grundrechten wie Pressefreiheit, Schwurgerichten, Volksbewaffnung, und einem geeinten Deutschland.

Wilhelm Grötz kann es nicht begreifen, wie man leichtfertig einen Bürgerkrieg riskieren kann! So wie offenbar der revolutionär gesinnte Griesbach.

Für Alois Feilenhauer ist die Sache klar: Die Republik muss her! Weg mit der veralteten Monarchie!